Das Schicksal annehmen

Nach einem Unfall, wenn das Kind im Krankenhaus liegt und den Eltern die Diagnose Wachkoma bzw. Apallisches Durchgangssyndrom mitgeteilt wird, geraten viele Familien in einen Schockzustand. Es ist unvorstellbar wie das Leben weitergehen soll. Wenn die Entscheidung getroffen ist, das kranke Kind mit nach Hause zu nehmen und dort weiter zu pflegen, muss der Alltag organisiert und das Familienleben neu strukturiert werden.

Vielen Familien gelingt das Annehmen ihrer Lebenssituation auf funktionaler Ebene. Sie schlagen sich tapfer durch die Bürokratie und entwickeln sich zu Pflegeexperten. Sie wachsen über sich selbst hinaus. Gleichwohl leben sie mit der Angst, die Pflege des Kindes, die Weiterführung ihres Familienalltags nicht bewältigen zu können. Zahlreiche Eltern trauen sich kaum einzugestehen, dass sie ihrem Kind, so wie es vor dem Unfall war, nachtrauern. Und dass die neue Lebenssituation, mit so schwierigen Gefühlen wie Wut, Hilflosigkeit, Resignation, Verzweiflung, Schuld, Angst und Isolation verbunden ist. In der Sorge, sie könnten in ein schwarzes Loch fallen, sie könnten die Fürsorge für ihr Kind nicht mehr leisten, wenn sie sich diesen Gefühlen stellen, wird häufig die Auseinandersetzung damit verdrängt.



Traurig sein

Eltern, die ein gesundes Kind verloren haben, dürfen traurig sein. Abschied nehmen von Wünschen, Hoffnungen und Plänen, die man für das Kind hatte, tut weh. Auch wenn Eltern den größten Teil des Tages in die Pflege und Betreuung des Kindes eingebunden sind, darf das Traurig sein nicht zu kurz kommen. Denn um das Kind so anzunehmen wie es jetzt ist, müssen viele Tränen geweint werden. Wenn Eltern akzeptieren können, dass ihre Lebenssituation schwierig und oft auch traurig ist, kann es ihnen gelingen, wieder positive Aspekte in ihrem Leben zu finden.

Bewältigungsstrategien finden

Wir ermutigen die Familien, sich Unterstützung zu suchen, auch wenn vielen der Gedanke an psychologische oder therapeutische Hilfe anfangs schwerfällt. Die Angst, sich mit schmerzhaften Gefühlen zu beschäftigen, ist nachvollziehbar. Ebenso wie die Hemmung, ihre privaten Gedanken mit Außenstehenden zu teilen. Sich aber einem Therapeuten zu öffnen und die eigenen schwierigen Gefühle zu verarbeiten, wird von einigen Menschen als tröstlich empfunden.

Andere Menschen können auf eigene Bewältigungsstrategien zurückgreifen oder sie finden Aktivitäten, die ihnen Kraft geben. Dazu gehören z.B. der Austausch in Internetforen oder Selbsthilfegruppen, kreative Ausdrucksformen wie Schreiben, Malen, Musizieren, Meditation, Entspannung oder Sport, der Kontakt zur Natur oder die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft. Die von uns angebotene Atemtherapie kann dazu führen, dass sich die Kommunikation mit dem kranken Kind positiv verändert. Auch andere Körpertherapien fördern die Stärkung der inneren Kräfte und geben Energie.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, so eine schwere Lebenssituation zu bewältigen. Mit dem größten Respekt vor ihrer alltäglichen Leistung unterstützen wir die Familien, ihren eigenen Weg zu finden und begleiten sie dabei.

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